Nimm dir einen kurzen Augenblick Zeit, um über etwas nachzudenken:
Trenn dich in Gedanken von all deinen materiellen Gütern.
Versetz dich an ein von Terror und Gewalt vorherrschendes Gebiet…
Die Kleidung, welche du trägst, hast du bereits mehrere Wochen an. Etwas zum Wechseln gibt es nicht mehr… Alles ist verbrannt…
Deine Familie wurde beim letzten Terroranschlag getötet…
Rechts von dir, wo einmal euer Haus stand, siehst du nur noch Trümmer…
Rund um dich herum ist alles zerstört. Alles Schutt und Asche… Du stehst allein da… Ohne Familie… ohne Freunde…
Der Geschmack von Verbranntem liegt in der Luft.
Aus der Ferne hörst du vereinzelte Schreie…
Da erinnerst du dich an etwas, was dir ein Bekannter vor längerer Zeit erzählte:
„Mein Cousin lebt in Europa. Ich sage dir, wie er immer von diesem Land schwärmt. Es sei einfach wunderbar und die Leute erst: sehr gastfreundlich und hilfsbereit.“
Nun, was tust du?
Du stehst immer noch vor den Trümmern eures Hauses… Die Familie ist tot…
Das Wort „Heimat“ rückt weit weg…
Du kannst warten…
Bis die Leute, die das getan haben, zurückkommen und dich erschiessen…
Oder du wartest bis dein Körper aufgibt, da du schon eine Weile nichts mehr zum Essen und Trinken gefunden hast.
Oder du gehst!
Nur um dann in einem Land anzukommen und bitter erkennen zu müssen, dass du nicht willkommen bist.
Ein Land wo:
• Vorurteile und Angst an erster Stelle stehen
• Akzeptanz lange gesucht werden muss
• Und die Freundlichkeit wohl vom Cousin des Bekannten masslos übertrieben wurde
Warum kann ich nicht einfach so akzeptiert werden, wie ich bin?
Was ist nicht in Ordnung mit mir?
Wieso soll ich an einen Ort zurück, dessen Erinnerungen mich nachts schweissgebadet aus dem Schlaf aufschrecken lassen?
Wo ist die Menschlichkeit geblieben?
…………
